Anleihen: Aufregende Tage
27. November 2009. Frankfurt (Börse Frankfurt). Gute Wirtschaftsdaten aus Deutschland – der ifo-Geschäftsklimaindex
ist im November überraschend deutlich gestiegen – und zeigt, dass
die Stimmung zumindest im Handel und Industrie bestens ist. Doch
bekommt der Optimismus der Marktteilnehmer einen kräftigen Dämpfer
und bringt sie wieder auf den Boden der Tatsachen: Die Finanzkrise
ist alles andere als vorbei und der Aufschwung steht auf wackligen
Beinen.
Dubai erschütterte die Märkte mit der Mitteilung, dass das
staatlichen Unternehmenskonglomerats Dubai World die Bedienung der
Schulden aussetzen muss und restrukturieren will. “Entsprechend
zeigt sich an den Finanzmärkten das übliche Krisenreaktionsmuster:
Flucht aus risikobehafteten Titeln wie insbesondere Aktien,
Umschichtung in die bonitätsstärksten und liquidesten Staatstitel
sowie Versteilung der Renditekurve und Aufwertung des US-Dollar”,
schreiben die Analysten der HSH Nordbank. Die Frage sei nun, wer die
Schulden von Dubai halte. “Die gestrige erste Nabelschau in der
Finanzbranche förderte aber wie sooft noch keine Hauptbetroffenen zu
Tage”, kommentieren die Volkswirte. Entweder sei man nicht
engagiert, die Volumina seien vernachlässigbar, oder es habe gar
keine Stellungnahme. “Und solange nicht absehbar ist, welche
Auswirkungen die Zahlungsschwierigkeiten von Dubai World auf das
angeschlagene europäische Bankensystem hat, bleibt Vorsicht das
Gebot der Stunde.” Die Flucht in sichere Staatsanleihen ist also.
Der Euro-Bund-Future bewegte sich in den vergangenen fünf Tagen in einem Band zwischen 122 und 124 Punkten und notiert heute zur Mittagszeit bei 123,41. Eine zehnjährige Bundesanleihe bringt eine Rendite von 3,16 Prozent.
Schlechte Nachrichten auch aus Jamaica
DanielWie die Skontroführer der Hellwig Wertpapierhandelsbank melden, steht auch der Inselstaat Jamaica vor dem Aus. Investoren ziehen sich aus entsprechenden Anleihen zurück. Eine bis 2012 laufende Anleihe (WKN A0DAKG) verliert rapide und notiert zur Mittagszeit bei 75 Prozent, ebenso wie eine 2014 fällige Schwesteranleihe (WKN A0DED9). „Seit Tagen ist die Krise wieder in aller Munde“, meint Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig. Nicht zuletzt weil auch die Royal Bank of Scotland ihre Zinszahlungen für Hybrid-Anleihen und nachrangig besicherte Perpetuals (Anleihen ohne Laufzeitbeschränkung) ausgesetzt habe. „Derzeit sind RBS-Anleihen vom Handel ausgesetzt. Ab Montag können die Papiere wieder gehandelt werden. Allerdings werden die Anleihen dann „flat“, also ohne Stückzinsen gerechnet“, erklärt der Skontroführer für Anleihen. Betroffen sind sowohl Euro-Anleihen (WKNs A0E6C3, 858865, A0BDZC und A0DG4P) als auch Fremdwährungsanleihen der britischen Bank (WKN A0G3DK und 359801).
VW-Anleihe wird nicht freudig begrüßt
PetzEs kommt keine Kauffreude auf und der Abgabedruck ist groß“, kann auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler beobachten. Neue Papiere, wie eine von VW emittierte Anleihe (WKN A1AQKZ), werden unter dem Angebotspreis gehandelt. Nächste Woche werde noch eine kurzlaufende Renault-Anleihe erwartet (WKN A1AQNB), die mit 3,125 Prozent verzinst wird und im Juli 2011 fällig wird.
Nestlé in Down Under
Nestlé erfreut dagegen Investoren, die mit einem Anstieg des australischen Dollars rechnen. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern bringt eine Fremdwährungsanleihe (WKN A1AQCN) in Australischen Dollar, die auf rege Nachfrage stößt, wie Gregor Daniel meldet. Das Papier ist mit 6 Prozent verzinst und läuft bis Dezember 2013.
© 27. November/Dorothee Liebing
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