Anleihen: Exoten wandern ins Depot

5. Februar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Portugal und Spanien rücken immer mehr in die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer. „Die Zweifel nehmen zu, ob die Länder ihr Haushaltsdefizit in den Griff bekommen“, erklärt Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Die Volkswirte der HSH Nordbank melden eine Ausweitung der Renditeabstände im zehnjährigen Laufzeitbereich bei portugiesischen Anleihen um 200 Basispunkte gegenüber einer vergleichbaren Bundesanleihe. „Die Risikoaufschläge auf italienische und spanische Titel weiteten sich ebenfalls aus“, erklären die Analysten. Im Süden Europas sei jedoch nicht alles schlecht. Spanien – im Vergleich zu Portugal am vorhergehenden Tag – hätte eine Anleihe im Volumen von 2,52 Milliarden Euro ganz normal platzieren können. Nichtsdestotrotz bieten sich Deutschland und Frankreich als sicherer Hafen für Anleger.

Der Euro-Bund-Future ist in den vergangenen fünf Handelstagen auf 124,2 Prozentpunkte geklettert. Eine Bundesanleihe mit zehnjähriger Restlaufzeit wirft eine Rendite von 3,119 Prozent ab.

Länderrisiken vermeiden

Der Aufruhr um Griechenlands Finanzsituation hat sich etwas gelegt. Die Renditen sind leicht gefallen. Privatanleger steigen wie in den vergangenen Wochen noch in griechische Anleihen ein, während spanische oder portugiesische Papiere nicht nachgefragt werden. Die Spezialisten im Handel mit Renten-ETFs beobachten jedoch auch in dieser Woche, dass sich nicht wenige Anleger von iBoxx-ETFs, die europäische Euro-Staatsanleihen beinhalten, trennen. Stattdessen greifen sie nach deutschen Renten-ETFs quer durch alle Laufzeiten.

Schwacher Euro macht den US-Dollar interessant

Die drohenden Schwierigkeiten in den südeuropäischen Ländern bringen auch den Euro unter Druck. Die Gemeinschaftswährung hat gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Handelstagen kräftig verloren. Allerdings beobachten die Skontroführer im Handel mit Anleihen keine besonders gestiegene Nachfrage nach in US-Dollar notierten Anleihen. Dagegen meldet ETF Securities, die Währungs-ETCs anbieten, einen auf 49 Millionen gestiegenes Volumen in Währungs-ETCs und ein enorm zunehmendes Handelsvolumen. Anleger würden Long-Positionen in US-Dollar aufbauen und sich ob der zunehmenden Schuldenkrise in Griechenland vom Euro abwenden.

Das Risiko rückt wieder mehr in den Fokus

Brunner

Mit den einknickenden Aktienmärkten haben auch Unternehmensanleihen leicht in der Gunst der Investoren verloren. Die noch relativ jungen Anleihen von Heidelberger Zement beispielsweise haben in den vergangenen Tagen etwas an Kurswert eingebüßt und notieren beide leicht unter ihrem Start-Preis (WKN A1C90M und A1C90N).

Mit der zunehmenden Risikoaversion kann Brunner beobachten, dass Multicredit-Anleihen vermehrt verkauft werden. Dagegen erscheinen einigen Anlegern konservative Stufenzinsanleihen interessant. Ein Papier der DZ-Bank (WKN DZ1HLS) wird in dieser Woche gerne gekauft. Die Anleihe läuft bis Februar 2015 und bringt Anlegern zunächst einen Zinssatz von 2,45 Prozent. Im Februar 2012 steigt der Zinssatz auf 3 Prozent. „Allerdings hat die Bank zu diesem Zeitpunkt auch ein Kündigungsrecht. Sollte der Zinssatz im Februar 2012 unter 3 Prozent stehen, wird sie dieses vermutlich ausüben“, erklärt Brunner.

Mit Genuss die Rendite einstreichen

Auffallend ist nach Angaben der Skontroführer der Hellwig Wertpapierhandelsbank die gestiegene Nachfrage nach einem Genussschein der Commerzbank (WKN 803205). Der Schein läuft noch bis Dezember 2010, die Rückzahlung erfolgt am 1. Juli 2011. Unter der Voraussetzung, dass die Commerzbank etwa 90 Prozent des Nennwertes zurückzahlt, erreichen Investoren zurzeit eine Rendite von über 10 Prozent“, erklärt ein Händler. Entsprechend sei es mehr, wenn zu 100 Prozent des Nennwertes zurückgezahlt würde. Das hänge allerdings von der Ertragssituation der Bank ab. „Die Bank hat verlauten lassen, dass sie alles tun würde, damit Investoren nur wenige Einbußen in Kauf nehmen müssten.“

Linde für kühle Rechner

Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig sieht seit Montag einiges Interesse an einer nachrangigen Anleihe des DAX-Unternehmens Linde (WKN 881454). Das Papier notiert bei 99 Prozent und ist mit einem Kupon von 6 Prozent ausgestattet. „Verglichen mit den 3 Prozent einer Bundesanleihe ist dieser Zinssatz absolut attraktiv und der Schuldner vernünftig. Der einzige Haken daran ist, dass das Papier endlos läuft.“ Deswegen sei es allenfalls als Depotbeimischung geeignet.

© 5. Februar 2010 / Dorothee Liebing

© Deutsche Börse AG

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