Anleihen: Schieflage im Süden

Trading_data_board_188x80
11. Dezember 2009. Frankfurt (Börse Frankfurt). Griechenland und Spanien waren diese Woche die bestimmenden Faktoren am Rentenmarkt. Aufgrund einer erwarteten Staatsverschuldung von 125 Prozent des BIP und einem Haushaltsdefizit von 12,7 Prozent stufte die Rating-Agentur Fitch diese Woche die griechischen Staatsanleihen von A- auf BBB+ herab. „Nachdem Standard & Poor’s die Bonitätsbewertung des Landes am Montag bereits auf „Creditwatch negative“ setzte, holte Fitch am Dienstag die Rating-Keule heraus und stufte Griechenland von A- auf BBB+ herunter“, schreibt Klaus Stopp von der Baader Bank. Der Ausblick sei auf „negativ“ geblieben. Nach wie vor sei ein Zahlungsausfall Griechenlands sehr unwahrscheinlich, doch besonders viele Käufer für griechische Staatspapiere fänden sich in diesen Tagen trotz deutlich gestiegener Renditen nicht. Das Attribut Creditwatch meint, dass die Bewertung des Rating-Kandidaten erneut überprüft wird.

„Die Rendite der zehnjährigen Anleihe stieg im Wochenverlauf in der Spitze um 50 Basispunkte auf 5,597 Prozent an“, erzählt Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Am Donnerstag hätte sie sich auf 5,436 Prozent wieder etwas stabilisiert. Der Renditeabstand zur vergleichbaren Bundesanleihe sei im Wochenverlauf um 49 Basispunkte auf aktuell 225 Basispunkte angestiegen.

Auch für Spanien hätte S&P den Ausblick von stabil auf negativ gesenkt, beschreibt Brunner. Ein Haushaltsdefizit von zehn Prozent und wenig Hoffnung auf eine baldige Stabilisierung der Haushaltslage sind die entscheidenden Faktoren. „Folglich ist die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe im Wochenverlauf um 12 Basispunkte auf 3,861 Prozent gestiegen. Der Renditeabstand zur vergleichbaren Bundesanleihe beträgt aktuell 67 Basispunkte“, berichtet der Skontroführer für Anleihen.

Sind Italien und Irland die nächsten?

Stopp

Wie Stopp meint, könnte diese Aktionen aufgrund der angespannten Haushaltslage mehrerer Staaten erst der Anfang einer Reihe von Rating-Aktionen sein. „Naheliegende Kandidaten für Bonitätsverschlechterungen in den kommenden Wochen und Monaten sind Irland und Italien.“ Damit bekäme das Thema Staatsrisiko und die unterschiedlichen Bonitäten zwischen einzelnen Ländern der Eurozone wieder deutlich mehr Gewicht.

Die hohe Renditeabstände bei Staatsanleihen einiger Euro-Länder im Vergleich zu Bundesanleihen waren auch Anfang 2009 zu beobachten. „Allerdings waren damals die Finanzmärkte von einer umfassenden Risikoaversion erfasst, während jetzt stärker zwischen den Staaten differenziert wird“, beschreibt Stopp die Lage. „Die Investoren werden deshalb in den kommenden Monaten sehr genau auf die Entwicklung der Verschuldung der einzelnen Staaten achten.“

„Der Bund-Future konnte sich diese Woche die meiste Zeit wieder über der Marke von 123 Punkten halten, am heutigen Freitag lassen ihn jedoch ein freundlicher Aktienmarkt wieder nach unten durchbrechen“, fasst Brunner zusammen. Aktuell notiert das Barometer für die Zinsentwicklung bei 122,77. Eine zehnjährige Bundesanleihe wirft eine Rendite von 3,17 Prozent ab.

Keine Nervosität im ETF-Handel

Die Turbulenzen um Griechenland und Spanien haben ETF-Anleger nicht verunsichert. Die Spezialisten der HypoVereinsbank können nicht beobachten, dass Investoren sich aus ETFs mit europäischen Staatsanleihen verabschieden. Ebenso wenig hätten Investoren eine Flucht in den sicheren Hafen der Bundesanleihen angetreten.

Lebhafte Vorweihnachtsaktivität

Allgemein kann man diese Woche von einem lebhaften Geschäft sprechen, größere Umsätze waren in einer Anleihe von Henkel (WKN 664196), die mit 4,25 Prozent verzinst ist und im Oktober 2013 fällig wird sowie einem Papier von Daimler (WKN A0T06N). Das im September 2015 fällige Papier ist mit einem Kupon von 6,125 Prozent ausgestattet.

Problemkinder machen von sich Reden

Daniel

Für die Gläubiger des bankrotten Inselparadieses Seychellen zeichnet sich eine Lösung ab. Eine bis 2011 laufende US-Dollar-Anleihe (WKN A0GY83) soll durch zwei Anleihen ersetzt werden. Das eine Papier wird mit 2 Prozent verzinst und soll bis 2041 laufen. Die zweite Anleihe wird eine Stufenzinsanleihe mit einer Rückzahlungszeitpunkt in 2026. Allerdings setzt bei der zweiten Stufenzins-Anleihe ein Kapitalverlust von 50 Prozent an. „Die Zustimmung durch die Gläubiger für diese geplante Umschuldung steht noch aus“, berichtet Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig. „Aber die alte Seychellen-Anleihe in der Spitze auf 40 Prozent angezogen und notiert aktuell bei 37,48 Prozent.

Die Synthia-Anleihe auf Dubai der Landesbank Baden Württemberg notiert aktuell bei 91,5 Prozent, also fast unverändert zur Vorwoche.

Negative Schlagzeilen für Venezuela

Die erzielten Kursgewinne bei venezuelanischen Staatsanleihen bröckeln wieder. Nach einem Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind die jüngsten Kursverluste auf Razzien in vier lokalen Banken zurückzuführen. Zwei seien im Anschluss vom Staat geschlossen und zwei weitere sollen liquidiert werden. Man wirft den Banken betrügerische Geschäfte vor. Weitere Kontrollen und damit weitere Schließungen seien nicht ausgeschlossen. „Und weil wie die Vergangenheit bereits zeigte, auch andere Wirtschaftsbereiche nicht sicher sind vor staatlichen Zugriffen, ist es wenig verwunderlich, dass die Marktteilnehmer verunsichert und mit dem Verkauf von venezolanischen Staatsanleihen reagieren“, ist in der Zeitung zu lesen. Gregor Daniel kann beobachten, dass in den vergangenen Tagen jedoch eine Anleihe des venzuelanischen Erdölkonzerns Petroleòs de Venezuela (WKN A0NRMA) gekauft wird. Das in US-Dollar notierte Papier läuft noch bis 2017, ist mit 5,25 Prozent verzinst und notiert bei 52,3 Prozent mit einer Rendite von 17,7.

Neu am Markt

Zwei Neuemissionen werden nach Angaben der Skontroführer so kurz vor Weihnachten und bei bereits teilweise geschlossenen Büchern noch rege nachgefragt. UCB Pharma, ein belgisches Unternehmen, das die deutsche Schwarz Pharma gekauft hat, bringt eine Anleihe (WKN A1AQ00), die mit 5,75 Prozent verzinst ist und bis 2016 läuft.

Trotz hoher Stückelung – 50.000 Euro – wird eine Anleihe der Nomura (WKN A1AQX9) von den Marktteilnehmern gut aufgenommen. Anleger erhalten 5,125 Prozent Zinsen pro Jahr bis 2014.

© 11. Dezember 2009/Dorothee Liebing

Emittent / Typ Laufzeit WKN Kupon
UCB S.A. 2016 A1AQ00 5,75 %
Lafarge S.A. 2019 A1AQ49 5,5 %
Volkswagen AG 2015 A1AQKZ 3,5 %
OTTO 2013 A1CRZZ 6,375 %
Nomura 2014 A1AQX9 5,125 %

© Deutsche Börse AG

eMail Benachrichtigung

eMail Newsletter abonnieren



Gib Deinen Kommentar ab

Sag uns, was Du dazu meinst ...
und wenn Du ein Bild neben Deinem Kommentar sehen möchtest, benutze einen Gravatar!