ETF Rohstoffe: Hoch oder runter – das ist hier die Frage

28. Januar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Produkte auf Gold stehen trotz eines fallenden Goldpreises nach wie vor in den Umsatzlisten weit oben. Doch scheinen sowohl Käufer, die den Kurseinbruch bei dem Edelmetall nutzen, als auch Verkäufer aktiv zu sein. So ist beispielsweise der Bestand bei dem ETF Xetra-Gold (WKN A0S9GB) unverändert im Vergleich zum Vormonat bei 36,1 Tonnen. „Wir konnten in den vergangenen Wochen feststellen, dass die Nachfrage nach Gold ein wenig nachgelassen hat und Investoren ihre Positionen ein klein wenig abgebaut haben“, berichtet Florian Perini von Flow Traders. Verkauft wurde der ETFS Physical Gold (WKN A0N62G). Mark Schönbrodt von der DZ Bank dagegen beobachtet bei Gold-ETCs Zukäufe in Xetra-Gold oder auch im Market Access Amex Gold Bugs Indexfond (WKN A0MMBG). Der Preis für das Edelmetall, das Anfang Januar zunächst wieder zugewonnen hatte, ist seit Mitte des Monats wieder auf dem Weg nach unten und notiert derzeit bei 1.096 US-Dollar je Unze.

Griechenlands Finanzlage lässt den Euro schwächeln

Einen Grund für die rückläufige Preisentwicklung sieht Perini im anziehenden US-Dollarkurs gegenüber dem Euro. Das Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung schwinde über der Diskussion über den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion und die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion wächst. Es hätten aber auch positive Wirtschaftsdaten aus den USA dazu beigetragen, dass der US-Dollar an Fahrt aufgenommen habe. „Die bekannte Wechselbeziehung US-Dollar – Goldpreis ist hier wunderbar zu erkennen“, fügt Perini hinzu.

„Eine Ursache für die Verluste beim Gold-Preis war sicherlich der deutliche Wertzuwachs des US-Dollars gegenüber dem Euro“, bestätigt ebenso Oliver Heuschuch von Heraeus. Verantwortlich sei die marode Lage Griechenlands und die im gleichen sinkenden Boot sitzenden Länder Irland, Portugal und Spanien. Unter dieser Entwicklung leide das Vertrauen in den Euro. „Übrigens sind es nicht nur die Spekulanten, die das Gold derzeit verschmähen, weil sie den Euro weiter fallen sehen“, meint der Edelmetallhändler. Auch die Nachfrage nach Barren (gerade auch hier in Deutschland) sei alles andere als überragend und bei den ETCs sei es in den vergangenen beiden Wochen nicht zu neuen Käufen, sondern – im Gegenteil – zu überraschend hohen Rückgaben gekommen. „Wir sehen das Gold zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor einer durchgreifenden Trendwende. Für eine solche müssten die weltweiten Zinsen erst einmal deutlich steigen und das wird in diesem Jahr kaum der Fall sein.“

Palladium und Platin stehlen Gold die Show

Perini

Auf der anderen Seite ziehen Platin (WKN A0N62D) und Palladium (WKN A0N62E) die Investoren mächtig an. Die Emittentin ETF Securities meldet nun in der zweiten Woche in Folge bei physisch hinterlegtem Platin und Palladium eine kräftige Nachfrage. „Das Augenmerk der Investoren ruht auf den zwei neuen Edelmetall-ETCs und lenkt von einem Investment in Gold weg“, meint Perini. Die ETCs konnten seit dem Start vor knapp drei Wochen Netto-Zuflüsse von 326 Millionen US-Dollar bzw. 168 Millionen US-Dollar verzeichnen, obwohl die Preise der Futures für besagte Edelmetalle in diesem Zeitraum nachgegeben haben.

Der Preis für Platin hat seit Anfang Januar angezogen und ein Zwölf-Monatshoch bei 1.644 US-Dollar erreicht, in den vergangenen zwei Wochen jedoch die Gewinne wieder abgegeben. „Die Nachricht, dass die chinesische Regierung Maßnahmen gegen eine Überhitzung der Wirtschaft beschlossen habe und das ungezügelte Wachstum begrenzen wolle, sorgte dann gestern für eine deutliche Abkühlung, die den Preis absacken ließ“, begründet Heuschuch den Preisrückgang. Platin notiert bei 1.499 US-Dollar.

Diese beiden Edelmetalle könnten bei einer weiteren konjunkturellen Erholung ein lohnendes Investment sein, wie Marktteilnehmer schätzen. Beide spielen bei der Herstellung von Autos, Computerzubehör oder medizinischen Geräten eine wichtige Rolle.

Abflauen der Kälteperiode entzieht Energierohstoffen den Boden

Zu den Umsatzspitzenreitern gehören auch Öl- und Gas-ETCs. Während Produkte und gehebelte Produkte auf Öl (WKNs A0V9JY, A0KRJX und A0KRKM) zurück fließen oder die Investoren gar short gehen, also auf einen fallenden Ölpreis setzen, erfreut sich Erdgas (WKN A0KRJ3, A0KRKN) zunehmender Beliebtheit. Netto sind 55 Millionen US-Dollar aus den Öl-ETCs geflossen. Der gehebelte Erdgas-ETC (WKN A0KRKN) dagegen verzeichnete mit 38 Millionen US-Dollar die größten Zuflüsse seit Oktober 2009. „Einige Investoren meinen, dass sich die Preislücke zwischen Erdgas und Erdöl schließen könnte“, vermuten die Analysten von ETF Securities hinter diesem Kaufverhalten.

Bei der Preisentwicklung gibt in erster Linie die Kälteperiode den Ton vor. Anfang Januar stieg der Rohölpreis auf 83 US-Dollar für ein Barrel der Sorte WTI. Die Normalisierung der Witterungsbedingungen ließ den Preis sinken. „Die US-Öllager bleiben weiterhin prall gefüllt und bieten derzeit keine Unterstützung für einen Preisanstieg“, schreiben die Volkswirte der Deka-Bank.

Erdgas habe sich in den vergangenen beiden Handelstagen ein wenig verbilligt. Ein Grund könnte sein, dass in den USA mit milderen Temperaturen gerechnet werde, meint Perini.

© 28. Januar 2010 / Dorothee Liebing

© Deutsche Börse AG

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