ETF Öl und Gas: Gewinnsteigerungen der Auslandsaktien reichen nicht

4. Februar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). „Die Stimmung an der Börse ist verhalten“, meint Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. „Zwar sind die Quartalszahlen relativ gut, es fehlt aber das Umsatzwachstum“, kritisiert er. Hinter den steigenden Gewinnen steckten vor allem Kostensenkungen. Die überraschende Entscheidung der australischen Zentralbank, den Leitzins bei 3,75 Prozent zu belassen, habe ein Übriges getan. „Am Markt wird das als Zeichen gewertet, dass die Konjunkturerholung noch nicht nachhaltig ist“, erklärt er. Die Kurskorrektur wird seiner Einschätzung nach daher noch weiter gehen.

„Die Sorgen um Griechenland und die Banken halten an“, ergänzt Jan Vrbsky von der Baader Bank. Daher habe es nach der Erholung gleich Gewinnmitnahmen gegeben. „Als gut kann man die Stimmung nicht bezeichnen“, urteilt auch er.

Time Warner punktet mit Sherlock Holmes

Vorhauser

Positive Unternehmensnachrichten gibt es dabei zuhauf. Bei Time Warner (WKN A0RGAY) hatten die Marktteilnehmer damit aber offenbar schon gerechnet. „Die guten Quartalszahlen sind im Kurs schon vorweggenommen worden“, meint Vorhauser. Am vergangenen Freitag notierte der Dividendentitel an der Börse Frankfurt noch unter 19,00 Euro, aktuell sind es 20,04 Euro. Der Medienkonzern konnte im Schlussquartal seinen Umsatz steigern und nach einem satten Verlust im Vorjahreszeitraum auch wieder ein positives Nettoergebnis präsentieren. „Dafür sorgten vor allem höhere Einnahmen aus dem TV-Geschäft und den Warner-Brothers-Filmstudios, die den schleppenden Verlauf des Verlagsbereichs kompensierten“, erläutert Vorhauser.

Die Einnahmen aus der Filmsparte sprudelten dank Produktionen wie „Blind Side“ und „Sherlock Holmes“ sowie DVD-Verkäufen von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ sowie „Hangover“. Daneben wirke sich die Abspaltung der Internetsparte AOL und des Kabelgeschäfts Time Warner Cable positiv aus, denn das seien zuletzt die Sorgenkinder des Medienriesen gewesen, wie Vorhauser erklärt.

Verluste von JDS Uniphase eingegrenzt

Freudig aufgenommen wurde zudem die Zahlen des US-Netzwerkausrüsters JDS Uniphase (WKN A0LCLX). Der schnitt im vierten Quartal etwas besser ab, als von den Analysten prognostiziert. Zwar schreibt das Unternehmen weiter rote Zahlen, die Verluste konnten aber eingegrenzt werden. Offenbar profitiert JDS Uniphase Vorhauser zufolge von einer regen Nachfrage aus der Branche und konnte seinen Marktanteil ausbauen. „Der Kurs legte recht deutlich zu und knüpfte wieder an seine Hochstände vom Dezember an“, ergänzt er. Aktuell notiert der Dividendentitel an der Börse Frankfurt bei 6,03 Euro, im ersten Quartal 2009 waren es weniger als 2 Euro.

Chinesischer Öltitel setzt rasanten Anstieg fort

Die Ankündigung des chinesischen Ölkonzerns CNOOC (WKN A0B846), die Fördermengen durch die Inbetriebnahme neuer Anlagen massiv zu erhöhen, kam bei den Analysten ebenfalls gut an, wie Vorhauser weiter meldet. Der Ölgigant, nach CNPC und Sinopex die Nummer drei in China, will außerdem in diesem Jahr seine Investitionen deutlich nach oben fahren. „Das hat den Aktienkurs beflügelt“, berichtet der Skontroführer. Auf Sicht von sechs Monaten konnte die Aktie an der Börse Frankfurt um 25 Prozent zulegen, auf Sicht von einem Jahr sind es 62 Prozent. Heute wird sie zu 1,15 Euro gehandelt.

BP sticht Royal Dutch Shell aus

Die jüngsten Zahlen von Royal Durch Shell und BP zeigen allerdings, dass Ölkonzern nicht gleich Ölkonzern ist. Deren Quartalszahlen fielen nämlich ziemlich unterschiedlich aus. Dem entsprechend war auch die Marktreaktion: Während die Royal Dutch Shell-Aktie (WKN A0D94M) schwächelte, zeigte sich BP (WKN 850517) nach der Bekanntgabe fest, wie Vrbsky berichtet. Im vieren Quartal ist der Gewinn von Royal Dutch Shell um satte 75 Prozent eingebrochen. „Der Konzern leidet unter den mangelhaft ausgelasteten Raffinerien und dem schlecht laufenden Erdgasgeschäft“, erklärt er. Ganz anders BP: Hier konnte der Gewinn nach der Erholung der Ölpreise in den letzten drei Monaten 2009 zulegen – und mit ihm die Aktie.

Auch gute Zahlen von Vodafone, Honda und Cisco

Vrbsky

In einem schwierigen Marktumfeld behaupten kann sich heute die Vodafone-Aktie, wie Vrbsky ergänzt. „Auslöser waren die sehr guten Zahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres und der verbesserte Ausblick“, erläutert der Skontroführer. Dem britischen Mobilfunkkonzern sei insbesondere die Stabilisierung des Europa-Geschäfts zugute gekommen – bislang ein Problembereich. „Das wurde von den Investoren begrüßt“, weiß Vrbsky. Ebenfalls sehr positiv bewertet man ihm zufolge die Zahlen von Honda Motor (WKN 853226). Der japanische Autobauer habe die Prognosen deutlich übertroffen, zudem sei der Ausblick angehoben worden. „Honda könnte von den Problemen Toyotas profitieren“, vermutet er. Auch die aktuellen Zahlen des US-Netzwerkausrüsters Cisco (WKN 878841), die gestern veröffentlicht wurden, enttäuschten nicht: „Erstmals seit einem Jahr konnte Cisco seinen Umsatz wieder steigern“, erläutert Vrbsky. Der Grund: Unternehmen rüsteten mehr und mehr auf drahtloses Internet um. Auch für 2010 habe sich der Konzern ausgesprochen zuversichtlich gezeigt.

© 4. Februar 2010/Anna-Maria Borse

Ausländische Unternehmen im Überblick

Unternehmen Branche Land WKN
Time Warner Medien USA A0RGAY
JDS Uniphase Netzwerke USA A0LCLX
CNOOC Energie China A0B846
Royal Dutch Shell Öl und Gas GB + Northern Ireland A0D94M
BP Öl und Gas GB + Northern Ireland 850517
Honda Motor Automobile Japan 853226
Cisco Systems Inc. Netzwerke USA 878841

© Deutsche Börse AG

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db x-trackers DJ STOXX (R) 600 OIL & GAS ETF 1C

WKN:  DBX1SG

ISIN: LU0292101796


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