ETFs und Anleihen: Griechenland – Eine unendliche Geschichte

Anleihen: Griechenland – Eine unendliche Geschichte

9. April 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt).  Das Thema Griechenland bestimmt diese Woche wieder eindeutig das Geschehen an den Rentenmärkten und hält den Bund-Future über der Marke von 123. „Anfangs der Woche hatten gute Zahlen zum amerikanischen Arbeitsmarkt die am Karfreitag veröffentlicht wurden, den Bund-Future kurzfristig auf sein Wochentief von 122,54 fallen lassen, aber die Sorge um Griechenlands Finanzen ließen ihn wieder deutlich über 123 steigen“, beschreibt Arthur Brunner von ICF Kursmakler die nervöse Stimmung unter den Markteilnehmern. Es zeige sich immer wieder, dass der Bund-Future als Fels in der Brandung diene. Denn auch die amerikanischen Staatsanleihen hätten den Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen seit Jahresanfang deutlich vergrößert. Der Renditeabstand der zehnjährigen Treasury zur entsprechenden Bundesanleihe hat sich seit Anfang Januar von 38 Basispunkten auf jetzt 77 Basispunkte fast verdoppelt.

Der Bund-Future notiert heute zur Mittagszeit bei 123,22. Eine zehnjährige Bundesanleihe bringt eine Rendite von 3,1 Prozent.
Risikoaufschläge auf Rekordhöhe

Eine dramatische Entwicklung haben diese Woche griechische Staatsanleihen genommen. „Am Wochenende kamen Gerüchte in Umlauf, dass Griechenland eine Hilfe des IWF umgehen wolle, da die damit verbundenen Auflagen politisch nicht umzusetzen seien, was aber seitens der Regierung umgehend dementiert wurde“, erzählt Brunner. „Dazu kamen Meldungen dass griechische Sparer und Unternehmen im Monat Februar acht Milliarden Euro an Guthaben von den Banken abgehoben haben.“ Andere Quellen nennen Zahlen zwischen vier und zehn Milliarden. Bei 11 Millionen Einwohnern müsste jeder griechische Bürger, wenn wir von der kleinen Zahl ausgehen, 400 Euro abgehoben haben“, kommentiert Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig diese Zahlen. Und als wäre dies nicht genug, wollen die größten griechischen Banken von der Regierung 17 Milliarden Euro als Hilfe fordern, die diese im Rahmen eines Notfallplans im Jahre 2008 bereitgestellt hatte. Auch die Ratingagentur Fitch streute Salz in die Wunde, indem sie Griechenland aufforderte die versprochenen Hilfen der EU und des IWF in Anspruch zu nehmen. Unterstützung sei seitens der EZB gekommen, die erklärte, griechische Staatsanleihen auch im Falle einer weiteren Herabstufung als Sicherheiten zu akzeptieren. Die EZB hatte aufgrund der Finanzmarktkrise die Anforderungen an die Qualität der Staatsanleihen, die als Sicherheiten hinterlegt werden, gesenkt. Zum Jahresende sollte diese Erleichterung für Banken auslaufen.

In Geldnot

Griechenland muss bis Ende Mai 11,6 Milliarden Euro auftreiben. „Angeblich spricht die Regierung mit Emerging Markets-Fonds, um das Geld zu bekommen“, sagt Gregor Daniel. Und es sei eine US-Dollar-Anleihe in Vorbereitung für die ein Zinssatz zwischen 7 und 8 Prozent gehandelt werde. „Die Geldgeber können den Zinssatz diktieren“, meint Daniel. Wie konfus die Situation sei, zeige auch, dass die Prämien im Credit Default Swap-Bereich höher wären als für Island, das ja bereits pleite sei. Credit Default Swaps sind Kreditderivate über die Ausfallrisiken von Krediten gehandelt werden, also eine Art Kreditversicherung.

Vor allem am Donnerstag kam es zu einer wahren Ausverkaufsstimmung, welche die Renditen der griechischen Staatsanleihen auf die höchsten Stände seit Einführung des Euro steigen ließ. Mittlerweile hat sich die Lage wieder etwas beruhigt. Trotzdem verläuft die griechische Zinsstrukturkurve derzeit immer noch invers. Das heißt, für kurzfristige Gelder erhalten Anleger höhere Zinsen als für längerlaufende Anleihen. Der Renditeaufschlag der zehnjährigen Griechenlandanleihen zur Bundesanleihe beträgt aktuell 410 Basispunkte. Am größten ist der Renditeabstand im einjährigen Bereich, dort beträgt er 667 Basispunkte, was als eindeutiges Indiz für ein Liquiditätsproblem zu deuten sei, meint Brunner.

Rein oder raus – das ist jetzt die Frage

„Privatanleger scheinen vor diesem Hintergrund nicht so richtig zu wissen, wie sie agieren sollen“, sagt ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. „Wir beobachten einen volatilen Handel in vielen kleinen Umsätzen, was auf Privatinvestoren schließen lässt.“ Aktiv gehandelt wurden Anleihen mit zweijähriger Restlaufzeit (WKN A0LN5U und A0T6US ). Richtig was für Hartgesottene seien Papiere mit Laufzeiten von 20 Jahren und mehr, kommentiert ein Händler. Bei dieser Restlaufzeit müsse man eine gefestigte Meinung haben (WKN A0NRT9 , A1APQ5 und A0LMFU ). Institutionelle ETF-Investoren dagegen wollen auf Nummer sicher gehen. Sie verabschieden sich vom iboxx-ETF (WKN A0H08B ) und steigen in deutsche Staatsanleihen ein (WKN 628949 ).

Staatsanleihen überbewertet

Hedgefonds verkaufen US-amerikanische Staatsanleihen, die sie als überbewertet einstufen, berichtet Gregor Daniel. „Sie scheinen davon auszugehen, dass die Renditen noch weiter steigen.“

Trotz Griechenland: Interesse für Neuemissionen

Neben Griechenland tut sich aber durchaus noch etwas.  SAP kam mit zwei neuen Anleihen, eine läuft bis 2014 und ist mit 2,5 Prozent verzinst (WKN A1ELSL ) und das bis 2017 laufende Papier trägt einen Kupon von 3,5 Prozent. SAP ist nicht von einer Rating-Agentur bewertet. Trotz der mageren Zinsen sei das Papier mehrfach überzeichnet gewesen. Auf eine gute Nachfrage stößt auch eine neue Anleihe von Renault (WKN A1AUW8 ). Das Papier läuft bis 2017 und ist mit 5,625 Prozent verzinst.

Rendite außerhalb Europas

Die Türkische Lira hat gegenüber dem Euro gewonnen. Die Lira steht derzeit bei 2. Ebenso ist der Austral-Dollar für manche der Investoren einen Blick wert. Gekauft wird beispielsweise eine Anleihe von Nestlé (WKN A1AU7J ), die in australische Dollar notiert.

© 9. April 2010 / Dorothee Liebing

Autor: Börse Frankfurt

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