Jahresausblick 2010: Frohgemut ins neue Jahr

28. Dezember 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Trotz beachtlicher Kursgewinne an den Aktienmärkten in diesem Jahr blicken die meisten Marktteilnehmer durchaus optimistisch ins neue Jahr. Allerdings wird mit weiterhin hohen Volatilitäten gerechnet, Rücksetzer werden nicht ausgeschlossen.

Baader Bank sieht vorerst noch Liquiditätsrallye

Eine anhaltende Liquiditätsrallye prognostiziert Robert Halver von der Baader Bank – zumindest für die erste Jahreshälfte. „Exitstrategien der Notenbanken werden wir vorerst nicht sehen“, glaubt er. Erst in der zweiten Jahreshälfte werde eine straffere Geldpolitik zum Thema werden und dann für zumindest volatile Märkte sorgen. Konkret erwartet er einen DAX-Stand von 6.400 bis 6.500 Punkten bis zum Sommer, gefolgt von starken Schwankungen. Für das Jahresende hält er dann 6.700 bis 6.800 Punkte für möglich, allerdings verweist er auf die hohe Unsicherheit solcher Schätzungen.

„Konzentration auf Branchenführer und dividendenstarke Titel“

Insgesamt ist Halver davon überzeugt, dass man Aktien auch im neuen Jahr übergewichten sollte. „Anleger sollten sich allerdings auf die jeweiligen Branchenführer und dividendenstarke Titel konzentrieren“, empfiehlt er. Für die Dividendentitel sprächen nicht zuletzt die hohen Länderrisiken, die den Rentenmarkt im kommenden Jahr belasten würden, und die Gefahr der Inflation. „Sachwerte sind angesagt“, meint er.

Close Brothers befürchtet Korrektur

Mit anhaltend hohen Preisschwankungen an den Aktienmärkten rechnet Oliver Roth von Close Brothers Seydler. „Wir werden auch im neuen Jahr extreme Situationen erleben, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie 2009“, urteilt er. Auf der einen Seite blieben die Börsen weiter liquiditätsgetrieben, auf der anderen Seite drohten diverse Gefahren: „Die extrem hohe Verschuldung verschiedener Institutionen, etwa der Banken, vieler Unternehmen, aber auch von Immobilienfonds und Private Equity-Gesellschaften wird für massive Probleme sorgen“, befürchtet der Chefhändler. Dazu kämen noch die Bonitätsrisiken einzelner Länder, auch einiger strukturell schwächerer europäischer Staaten.

Chancen für Einstieg durch Konsolidierung

Roth

„Wo das Feuer ausbricht, ist noch ungewiss“, erläutert Roth. Am Aktienmarkt sei aber eine Korrektur 2010 wahrscheinlich, voraussichtlich im ersten Halbjahr. „Dadurch erwachsen allerdings auch neue Chancen für einen Einstieg“, ergänzt er. Auf das ganze Jahr gesehen hält er Zugewinne beim deutschen Aktienbarometer für wahrscheinlich und prognostiziert 6.500 bis 6.800 Punkte zum Jahresende 2010. Er macht allerdings deutlich, dass er von dieser „Kaffeesatzleserei“ nicht viel hält und verweist auf die Problematik solcher Prognosen.

Helaba: Renten profitieren in zweiter Jahreshälfte

Auch nach Einschätzung der Helaba spricht das fundamentale Umfeld weiter eher für Aktien als für Renten, nicht zuletzt wegen der hohen Budgetdefizite. „Dass der Bund den Kapitalmarkt 2010 mit einem Emissionsvolumen von über 340 Milliarden Euro extrem belasten wird und die Ratingagenturen zuletzt eine deutliche Warnung in Richtung der großen Industrieländer ausgesprochen haben, dürfte das Kurspotenzial zu Jahresbeginn spürbar begrenzen“, meint Ulf Krauss. Während in der ersten Jahreshälfte die Aktien noch die Nase vorn haben würden, dürften in der zweiten Jahreshälfte hingegen die Rentemärkte von den wieder zunehmenden konjunkturellen Unsicherheiten profitieren, heißt es bei der Bank.

ICF Kursmakler erwartet schwieriges Bondjahr

Arthur Brunner von ICF Kursmakler befürchtet, dass 2010 insgesamt für den Rentenmarkt ein schwieriges Jahr werden wird. „Die Probleme Griechenlands wirken sich schon jetzt belastend aus“, meint er. Insgesamt stimmen ihn die hohen Defizite zahlreicher Länder eher pessimistisch. „Auch charttechnisch ist der Bund-Future derzeit angeschlagen“, ergänzt er.

Commerzbank: Zeit des einfachen Geldverdienens vorbei

„Mit Blick auf 2010 ist eines klar: So „einfach“ wie in den vergangenen Monaten wird man an den Kapitalmärkten sein Geld im nächsten Jahr nicht mehr verdienen können“, schreibt die Commerzbank. Äußerste Anlagedisziplin, Flexibilität und gutes Timing seien daher gefragt. Die Analysten erwarten, dass der Rückzugskurs der großen Notenbanken die Märkte ebenso beschäftigen wird wie die strukturellen Nachwirkungen aus der Finanzmarktkrise. Die Bank sieht gute Chancen bei Anlagen aus den Schwellenländern, dividendenstarken Aktien und Rohstoffen.

Rohstoffe immer wichtiger – „Beton-Gold“ zieht nicht mehr

Was die Rohstoffe angeht, zeigen sich die meisten Analysten zuversichtlich. „Inflationsängste werden angesichts ausufernder Staatsdefizite auf Jahrzehnte hinaus eine Rolle spielen“, urteilt etwa der Edelmetallhändler Heraeus. Private, institutionelle und staatliche Anleger würden in Zukunft sehr viel stärker auf eine Diversifikation ihrer Anlagen achten. Rohstoffe und insbesondere Gold würden dabei immer wichtiger. „Beton-Gold“ werde hingegen wegen der demographischen Entwicklung zumindest in weiten Teilen Europas nicht mehr ziehen.

Heraeus: Intakter Aufwärtstrend beim Gold

Beim Gold sieht Heraeus einen weiterhin intakten Aufwärtstrend. „Eine Änderung der insgesamt positiven Stimmung dürfte sich bei einer Zinswende in den USA und in Europa ergeben“, heißt es, vor 2011 sei damit aber nicht zu rechnen. 2010 sehen die Experten die Handelsspanne bei 1.050 bis 1.375 US-Dollar je Unze bei einem Durchschnittspreis von 1.175 nach ca. 956 US-Dollar 2009. Silber werde in erster Linie weiter dem Gold folgen, bei allerdings hoher Volatilität. Die Handelsspanne wird Heraeus zufolge bei 12 bis 25 US-Dollar je Unze liegen, als Durchschnittspreis werden 16,50 US-Dollar genannt nach ca. 14,65 2009. Für Platin (Prognose Durchschnittspreis 1.400 US-Dollar) erwartet der Edelmetallhändler hingegen eher eine Seitwärtsbewegung mit einigen kurzfristigen Einbrüchen, der Palladium-Preis (Prognose Durchschnittspreis 375 US-Dollar) bleibe weiter gut unterstützt.

© 28. Dezember 2009/Anna-Maria Borse

© Deutsche Börse AG

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