Markttechnik: Aktienmärkte vor Ausbruch nach unten

20. Januar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Marke von 6.000 Punkten entfernt sich. Nachdem der DAX zum Jahresauftakt wiederholt den Sprung über den psychologisch wichtigen Widerstand geschafft hat, tendiert der Index seit der vergangenen Woche eher in die entgegengesetzte Richtung. „Der Handel wird von zahlreichen Unsicherheiten belastet, so dass die Anleger vermehrt abwarten oder sogar bereits aussteigen“, berichtet ein Händler und verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf die Haushaltsprobleme in Griechenland oder die jüngsten Sorgen um die chinesische Konjunktur. Auch technische Analysten zeigen sich skeptisch und erwarten für die kommenden Wochen eine Korrektur an den Aktienmärkten.

Abwärtsrisiken überwiegen

Deppermann

Aus Sicht von Klaus Deppermann, technischer Analyst der BHF Bank besteht derzeit eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der im Dezember gestartete Ausbruchsversuch des DAX scheitern wird und eine Korrektur bevorsteht. „Trotz teilweise deutlicher Verkaufsignale bei vielen technischen Indikatoren haben etliche Aktienindizes im Dezember noch einmal einen Ausbruchsversuch nach oben gestartet. Dazu zählt auch der DAX. Ähnlich wie bei den meisten anderen Indizes fand der Ausbruch nach oben aus einer Formation eines aufsteigenden Dreiecks statt“, erklärt der Analyst.

Meinung bestätigt, die diese Formation als generell positiv einstufe. Deppermann kommt bei seiner Analyse jedoch zu einem anderen Ergebnis: „Zwar kommt es nach Ausbildung eines steigenden Dreiecks häufig zu einem Ausbruch nach oben, meist hält dieser positive Trend jedoch nur wenige Tage an, wie etwa in den Jahren 1976 oder 1992. In der Folge kommt es in der Regel zu einem Ausbruch nach unten. Eine solche Entwicklung zeichnet sich mit der Schwäche der vergangenen Tage auch dieses Mal ab“, argumentiert Deppermann.

Zwar könnte sich der ju?ngste Kursru?ckgang aus Sicht des Technikers auch noch als Ru?ckfall – ein so genannter „Pull Back“ – auf die Ausbruchslinie bei 5.850 Punkten herausstellen. Die Wahrscheinlichkeit fu?r dieses positive Szenario sei aktuell jedoch gering. „Erst eine nennenswerte Überschreitung der Hochs von Anfang Januar bei etlichen wichtigen Aktienindizes wu?rde die Korrekturerwartung in Frage stellen.“

Korrektursignale auch in Übersee

Noch eindeutiger als bei DAX und Euro Stoxx 50 ist das technische Bild nach Ansicht von Deppermann beim Nasdaq 100. „Neben Divergenzen bei den technischen Indikatoren gibt es bei dem amerikanischen Index zudem sehr klare Verkaufsignale bei etlichen Stimmungs-Indikatoren. Dazu zählen unter anderem ein ungu?nstiges Umsatzverhältnis von NASDAQ zu NYSE, eine hohe Gewichtung institutioneller Anleger in Technologiewerten und hohe Futures-Long-Positionen spekulativer Anleger.“ Zudem spreche eine zyklische Regelmäßigkeit fu?r eine schwächere Periode des Nasdaq 100 in den kommenden Wochen: „Seit dem Platzen der Blase im März 2000 kam es in fast jedem Jahr zu einem wichtigen Hochpunkt im Januar.“

Geringe Chancen auf Stabilisierung

Klähn

Andreas Klähn von der SEB Bank teilt die pessimistische Einschätzung für den DAX und geht davon aus, dass der Index in den kommenden Wochen konsolidieren wird. „Der DAX dürfte in den kommenden Handelstagen zunächst Stabilisierungsversuche an der Unterstützung bei 5.871 Punkten unternehmen. Es ist allerdings zu befürchten, dass diese Marke nicht gehalten wird“, analysiert der technische Analyst. Ein Grund dafür sei, dass der seit März 2009 vorherrschende Aufwärtstrend aufgelöst worden sei. „Zum anderen sind die Trendindikatoren MACD und Momentum klar abwärts gerichtet und bisher noch nicht im überverkauften Bereich angekommen. Wir sehen daher als Rückschlagspotenzial auf Wochensicht eher die Unterstützung bei 5.748 Punkten, im schlechtesten Fall sogar 5.554 Punkte als einen Verbleib oberhalb von 5.871 Punkten. Zwischenzeitliche Erholungsversuche bis an die psychologische Marke von 6.000 Punkten sind in diesem Szenario inbegriffen.“ Sollte der DAX jedoch wider Erwarten die 6.000 Punkte Marke zurückerobern, so sei ein Anstieg bis 6.109 Punkte möglich, fügt Klähn hinzu. Der MACD ist ein Trendfolgeindikator auf Basis der gleitenden Durchschnitte, das Momentum ein Vorlaufindikator, der einem Abwärtstrend sein Tief vor dem Kursverlauf erreicht.

Unentschlossenheit bei den Anlegern

Die Anleger sind zunehmend unentschlossen, das ergibt zumindest das Ergebnis der aktuellen Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. Im Vergleich zur Vorwoche hat das neutrale Lager beim DAX um 4 Prozent zugelegt – vor allem auf Kosten der Bullen. Bei den Technologiewerten haben sich 5 Prozent der bisher optimistisch eingestellten Anleger von ihren Positionen getrennt, immerhin 2 Prozent sind direkt short gegangen. Der Bull/Bear-Index für DAX-Aktien sinkt damit weiter auf 52,2 Prozent, nach 53,3 Prozent in der Vorwoche. Für den Bull/Bear-Index werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet.

© 20. Januar 2010 / Karoline Koch

© Deutsche Börse AG

Exchange-Traded-Funds.de rät den Bären unter den Investoren zum Einstieg in Short-ETFs auf den DAX wie z.B. in den ETF SHORTDAX-X-2-FONDS der ETFS mit Hebel 2 ,der Index (ISIN DE 000A0X9AA8) soll täglich das Doppelte der umgekehrten Dax-Entwicklung abbilden.

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