Markttechnik: Raum nach oben
13. Januar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nachdem der DAX mit einem 16-Monatshoch in die Woche gestartet ist, dominiert am Mittwoch vor allem Skepsis die Stimmung am deutschen Aktienmarkt. „Angesichts der starken Gewinne in den vergangenen Monaten rechnen viele Anleger nun wieder mit einer Korrektur. Zudem deuten die jüngsten Unternehmensnachrichten darauf hin, dass die Erwartungen für die Wirtschaftserholung vielleicht doch etwas zu hoch gesteckt sein könnten“, kommentiert ein Börsianer. Technische Analysten trauen dem Index unterdessen weitere Gewinne zu. Um die Mittagszeit liegt der DAX mit 5.962 Punkten rund 0,32 Prozent im Plus.
Die zumeist institutionellen Anleger am ETF-Markt zeigen sich am Mittwoch leicht optimistisch, halten sich aber weitestgehend zurück. „Der Handel ist heute von niedrigen Volumina gekennzeichnet“, kommentiert ein Market Maker und berichtet von sehr leichten Käufen bei den Indextrackern iShares DAX (DE) (WKN 593393) und iShares DJ STOXX 50 (DE) (WKN 593394). Auch bei dem Pendant von db x-trackers, DAX ETF (DBX1DA), überwiegen die Käufer leicht. Der shortDAX ETF (DBX1DS), der die Entwicklung des deutschen Leitindex invers abbildet, wird bei geringen Umsätzen hingegen eher verkauft.
Mittelfristiges Aufwärtspotenzial
HenkeChristian Henke, technischer Analyst der WestLB, traut dem DAX auf mittlere Sicht weitere Kursgewinne zu. „Die intakte zweite Aufwärtstrendlinie bei aktuell 5.930 Punkten sowie die steigende 200-Tage-Durchschnittslinie sprechen mittelfristig für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung“, argumentiert der Techniker. Bislang habe es das Börsenbarometer zwar nicht geschafft, die Verlaufshochs bei 6.048/6.058 Punkten nachhaltig zu überwinden. Oberhalb dieser Marke bestehe aber Potenzial bis 6.550 Punkte, wo die erste seit März 2009 gebrochene Aufwärtstrendlinie verlaufe. Eine solide Unterstützung für den deutschen Leitindex sieht Henke derzeit im Bereich von 5.572 und 5.575 Punkten.
Neues Kaufsignal deutet in Richtung 6.400 Punkte
Auch Harald Weygand, technischer Analyst und Geschäftsführer von Godmode-Trader.de, zeigt sich zuversichtlich. „Nachdem wir im November angesichts des damals vorherrschenden Dollar-Carry-Trades eine eher bearishe Haltung beim DAX eingenommen hatten, hat sich das Chartbild nach dem Aufbruch der mit dem Carry-Trade verbundenen gegenläufigen Korrelation von Währungs- und Aktienmarktentwicklung wieder verbessert“, analysiert Weygand. Mit dem Ausbruch über 5.900 Punkte habe der DAX zudem einen entscheidenden Widerstand gebrochen und damit ein neues Kaufsignal generiert. „Dieses Signal deutet nun in Richtung 6.389 Punkte – dem Fibonacci Retracement des gesamten Bärenmarktes seit 2008. Dies ist eine sehr wichtige Marke, die im Verlauf diesen Jahres als Kursziel fungiert.“
Das “Fibonacci Retracement” ist ein Indikator aus drei Linien, der hilft, nachfolgende Gebiete der Unterstützung oder des Widerstandes als Bereiche für potentielle Trendkorrekturen zu finden. Dies sind Zonen, in denen Preise stagnieren könnten, bzw. in denen ein Preisabfall gestoppt werden könnte.
Einzelaktien stimmen optimistisch
Auffällig ist nach Ansicht von Weygand zudem, dass viele Einzelaktien im DAX derzeit charttechnisch gut aussähen, so etwa BMW oder BASF. Dies spreche ebenfalls dafür, dass der Index im Verlauf des Jahres 2010 deutlich ansteigen könne.
Untere Begrenzungsmarken sieht Weygand unterdessen im Bereich von 5.800 bis 5.900 Zählern. „Hier liegen gestaffelt zahlreiche Stop-Loss-Orders von strategisch und taktisch ausgerichteten Marktteilnehmern. So lange der DAX über diesem Niveau notiert, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend intakt.“
Skepsis bei den Anlegern
Die Anlegerstimmung beim DAX hat sich im Vergleich zur Vorwoche deutlich verschlechtert, das ergibt zumindest das Ergebnis der aktuellen Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. So haben 12 Prozent der bisher optimistisch eingestellten DAX-Anleger ihre Haltung aufgegeben und sind direkt short gegangen. Bei den Technologiewerten hat das Bärenlager sogar um 14 Prozent zugelegt. Der Bull/Bear-Index für DAX-Aktien sinkt damit wieder auf 53,3 Prozent, nach 66,7 Prozent in der Vorwoche. Für den Bull/Bear-Index werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet.
© 13. Januar 2010 / Karoline Koch
© Deutsche Börse AG
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