Rohstoffe: Edelmetalle bleiben Verkaufsrenner

25. Februar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Sorgen um die Staatsverschuldung Griechenlands und anderer europäischer Peripheriestaaten prägen den Handel mit Rohstoff-Produkten an der Börse Frankfurt weiter. Investoren greifen nach wie vor am liebsten zu vermeintlich sicheren Anlagen – vor allem zu Gold.

In Euro ist der Goldpreis vor einigen Tagen auf ein Allzeithoch geklettert. Analysten des Edelmetallkonzerns Heraeus sprechen von der „griechischen Grippe“, die den Euro geschwächt und die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold angeheizt habe. Nach Erreichen des Höchststandes kam es zwar zu einigen Gewinnmitnahmen, auch ist der Goldpreis noch weit von seinem US-Dollar-Rekord vom Dezember entfernt. Beliebt bleibe das Edelmetall aber dennoch.

Bei Gold-ETCs „überhaupt kein Verkaufsdruck“

Wrzesniok-RoßbachWrzesniok-Roßbach

„Die Zukäufe der China Investment Corp zeigen, dass das Interesse nach wie vor groß ist“, meint etwa Bernardus Roelofs von Flow Traders. Der chinesische Staatsfonds hat zuletzt 1,45 Millionen Anteile bzw. 0,4 Prozent am weltweit größten börsennotierten Goldfonds, dem SPDR Gold Trust, erworben. Analysten zufolge will China sich damit, ebenso wie mit Anlagen in Öl-Fonds, gegen künftige Preissteigerungen absichern. „Auch die vom IWF angekündigten Abgaben haben keine negativen Folgen, das war schon so erwartet worden“, erklärt Roelofs außerdem: „Wir sehen überhaupt keinen Verkaufsdruck.“ Der IWF hat vor einigen Tagen angekündigt, in Kürze mit dem Verkauf von rund 191 Tonnen Gold zu beginnen.

Nach Einschätzung von Heraeus ist mit einem deutlichen Preiseinbruch beim Gold vorerst nicht zu rechnen: Die Analysten prognostizieren eine Seitwärtsbewegung zwischen 1.095 und 1.133 US-Dollar, aktuell notiert Gold bei 1.192 US-Dollar. Unter den Gold-Produkten an der Börse Frankfurt waren in den vergangenen zwei Wochen Xetra-Gold (WKN A0S9GB) und der Gold Bullion (A0LP78) sowie der ETFS Physical Gold (WKN A0N62G) besonders gefragt.

Spitzenstände bei ETC-Beständen in Palladium und Silber

Roelofs

Doch auch andere Edelmetall-ETCs bleiben begehrt. Die weltweiten Anlagen in Palladium- und Silber-ETCs bei ETF Securities erreichten vor kurzem neue Spitzenstände, wie der Emittent meldet. Bei Platin und Gold bewegen sich die Volumina nahe den Allzeithochs. „Edelmetall-ETCs haben mit die stärksten Zuflüsse in 2010 verzeichnet, mit über 630 Millionen US-Dollar allein in physisch hinterlegten Platin- und Palladium-Produkten in den USA“, heißt es in einem Bericht der Emittenten. Platin- und Palladium profitieren von der anhaltenden Nachfrage nach Autos in den Schwellenländern und der Erholung in Europa und den USA. Heraeus zeigt sich bezüglich Palladium optimistisch: „Längerfristig bleiben wir für das Metall weiter positiv gestimmt, die hohe Autonachfrage in China und der wieder steigende Bedarf der Automobilindustrie in den USA sollten auch längerfristig für eine stabile Situation sorgen.“

Kupfer wird aktuell wieder etwas negativer beurteilt. „Hier kaufen die Anleger gerne Short-Produkte“, meldet Roelofs und verweist auf Zukäufe beim ETFS Short Copper DJ-UBSCI (WKN A0V9XV). Der Kupferpreis ist nach einem rasanten Anstieg im vergangenen Jahr im Januar stark gefallen, konnte sich dann etwas erholen und schwächelt derzeit wieder etwas.

Öl-Produkte tradinggetrieben

Bei Öl-Verbriefungen setzt sich der taktische Handel fort. „Im Moment werden Long-Produkte verkauft, Short-Produkte gekauft“, berichtet etwa Bernardus Roelofs. Bei Gas verhalte es sich ebenso. Anleger trennen sich somit etwa vom ETFS WTI Oil (WKN A0KRKN), vom ETFS Crude Oil (WKN A0KRJX) und vom ETFS Natural Gas (WKN A0KRJ3) und setzen stattdessen auf den ETFS Short Crude Oil DJ-UBSCI (WKN A0V9XY) und den ETFS Short Natural Gas DJ-UBSCI (WKN A0V9X4). ETF Securities bestätigt den Trend und spricht von Gewinnmitnahmen nach Zukäufen bei Long-Produkten in der Vorwoche. Bereits seit Mitte 2009 hätten Händler in einer Preisspanne zwischen 65 und 80 US-Dollar je Barrel immer wieder Positionen auf- und abgebaut. „Investoren gehen long, sobald der Ölpreis Richtung 70 US-Dollar fällt und gehen short, bzw. stellen ihre Long-Positionen glatt, sobald der Preis sich auf 80 US-Dollar zu bewegt“, erläutern die Analysten.

Agrarrohstoffe lassen Anleger kalt

Agrar-Rohstoffe spielen derzeit keine große Rolle. Bei den Top Ten der ETCs von ETF Securities mit den meisten Zuflüssen weltweit in diesem Jahr taucht gerade einmal Weizen auf – auf Platz sieben weit abgeschlagen hinter den Edelmetallen. Auch in der vergangenen Woche gab es dem Emittenten zufolge mehr Ab- als Zuflüsse bei den Soft Commodities. Gut abgeschnitten haben allerdings Investoren, die auf Short-Produkte aus der Agrarbranche gesetzt haben, etwa den ETFS Short Corn, den ETFS Short Grains, den ETFS Short Soybeans oder den ETFS Short Wheat. Die haben in diesem Jahr nämlich beachtliche Gewinne zwischen knapp 9 bis zu über 13 Prozent erzielen können, wie ETF Securities berichtet.

© 25. Februar 2010 / Anna-Maria Borse

© Deutsche Börse AG

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