Rohstoffe: Strategische Investoren stehen zu Gold

13. Januar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wie auch in anderen Marktsegmenten kommt der Handel mit Rohstoff-ETCs nach einer feiertags- und ferienbedingt ruhigen Zeit erst langsam wieder in Schwung. Marktteilnehmer, etwa die Deutsche Bank und die DekaBank, berichten von geringen Umsätzen. Die Rohstoffpreise selbst haben überwiegend einen guten Jahresauftakt hingelegt.

Gold weiter Umsatzrenner

Unter den ETCs zeigten sich in den ersten sieben Handelstagen in diesem Jahr an der Börse Frankfurt Xetra-Gold (WKN A0S9GB) und der Gold Bullion (WKN A0LP78) am umsatzstärksten, gefolgt vom ETFS Leveraged Natural Gas (WKN A0V9Y3), dem ETFS Crude Oil (WKN A0KRJX) und dem ETFS Physical Gold (WKN A0N62G).

Zukäufe bei Edelmetall-ETCs

Bei Edelmetall-ETCs kommt es laut Bernardus Roelofs von Flow Traders derzeit vor allem zu Zukäufen. „Strategische Investoren decken sich bei Gold und Silber nach wie vor ein“, erläutert er. Der Goldpreis konnte zuletzt wieder etwas nach oben klettern, notiert derzeit aber noch rund 100 US-Dollar unter dem Rekordstand von 1.226,50 US-Dollar. Auch Silber ist aktuell trotz der jüngsten Verteuerung deutlich günstiger zu haben als Anfang Dezember. Die Nachfrage nach ETCs auf physisches Platin und Palladium (WKN A0N62D und A0N62E) wird Flow Traders zufolge auch durch die Einführung von Platin- und Palladium-Produkten in den USA beflügelt.

Gewinnmitnahmen bei Öl

Besonders viel Bewegung gab es in den vergangenen Wochen beim Ölpreis: Der kletterte von 72 US-Dollar Anfang Dezember auf fast 82 US-Dollar, zeigte sich zuletzt aber ebenfalls etwas schwächer. Bei Öl-ETCs (WKN A0KRKN und A0V9YX) beobachtet Roelofs vor allem Gewinnmitnahmen. Anders sieht es bei Erdgas aus: Aufgrund des im Vergleich mit Öl als niedrig erachteten Preises legten sich Investoren gerne Erdgas-ETCs (WKN A0KRJ3 und A0V9Y32) ins Portfolio, wie er berichtet.

Gemischtes Bild bei Agrarrohstoffen – Shooting Star Zucker

Unter den Agrarrohstoffen ergibt sich Roelofs zufolge ein gemischtes Bild: Während Sojabohnen- (WKN A0KRJ7), Mais- (WKN A0KRJV) und Weizen-ETCs (WKN A0KRJ9) auf der Verkaufsliste stünden, langten Anleger beim Zucker-ETC von ETF Securities (A0KRJ8) eher zu. Für Sojabohnen und Mais hat das US-Agriculture Department laut Presseberichten seine Produktionsschätzungen angehoben. Zucker hatte sich zuletzt aufgrund einer Angebotsverknappung massiv verteuert und notiert aktuell nur knapp unter einem 28-Jahres-Hoch. Anleger von Zucker-ETCs können sich freuen: Das Produkt von ETF Securities konnte auf Sicht von einem Jahr um 76 Prozent zulegen, auf Sicht von einem Monat sind es immer noch 20 Prozent.

Gute Perspektiven für Rohstoffe 2010

Die Aussichten für die Rohstoffpreise im neuen Jahr sind nach Ansicht der meisten Marktteilnehmer ausgesprochen gut: Laut Commerzbank werden sich die Rohstoffe auch 2010 gut entwickeln, die äußerst positiven Rahmenbedingungen blieben zumindest in den nächsten Monaten noch intakt. „Eine konjunkturell bedingt steigende Verbrauchsnachfrage, Lageraufstockungen sowie die reichliche Liquiditätsversorgung, die Investments anheizt, treffen auf immer höher ausgeschöpfte und inflexible Produktionskapazitäten“, erklären die Analysten. In einigen Monaten könnten die Märkte wieder so eng sein wie 2008, als der Ölpreis an der 150 US-Dollar-Marke kratzte. Solche Preissprünge erwartet die Commerzbank zwar nicht, sie bleibt aber sehr zuversichtlich und sieht Korrekturen als Kaufgelegenheiten. Favoriten der Analysten sind die Edelmetalle, wobei die Bank gerade beim Silber Nachholbedarf sieht.

Deutsche Bank: Goldpreisrückgänge nur kurzfristig

Auch die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Nachfrage nach Rohstoffen in diesem Jahr zunehmen wird und die Preise steigen werden, als Gründe nennt sie ebenfalls die konjunkturelle Erholung der Weltwirtschaft sowie die zunehmenden Wachstumsbeiträge durch die Schwellenländer. Das schließe allerdings Preisrückgänge nicht aus: „Historisch gesehen neigt der US-Dollar im Januar zur Stärke, so dass nach dem Jahreswechsel der Goldpreis anfällig für Gewinnmitnahmen und Preisrückgänge ist“, meinen die Analysten. Die Rückgänge würden indes nicht sehr stark ausfallen. Untersuchungen zeigten, dass Preissteigerungen beim Gold vor allem bei niedrigen realen US-Geldmarktsätzen aufträten, eine Bedingung, die angesichts des schwierigen ökonomischen Umfelds nach Einschätzung der Analysten bis weit in das Jahr 2010 erfüllt bleiben sollte.

Bei Öl skeptischer

Beim Öl ist die Deutsche Bank im Übrigen skeptischer: Der Ölpreis erhalte zwar durch die Schwäche des US-Dollars Rückenwind, hohe Lagerbestände und freie Kapazitäten der OPEC begrenzten das Potenzial für Preissteigerungen aber. Die Bank prognostiziert vorerst eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung, längerfristig sollten sich aber strukturell stützende Faktoren aus den aufstrebenden Volkswirtschaften durchsetzen.

© 13. Januar 2010/Anna-Maria Borse

© Deutsche Börse AG

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