Wochenausblick: Zurückhaltung angesagt
4. Januar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Für die erste Woche im neuen Jahr sind die Erwartungen alles andere als hochgesteckt. Die meisten Analysten rechnen mit einem weiterhin ruhigen Handel in engen Bandbreiten. „Die Marktteilnehmer warten noch ab“, meint Dirk Gojny von der HSH Nordbank, zu viele Tische blieben noch „verwaist“. Erst in der zweiten und dritten Januarwoche wird es seiner Ansicht nach dann wieder los gehen.
Nachdem sich das deutsche Aktienbarometer knapp unter der 6.000-Punkte-Marke bei 5.957 und mit einem Jahresplus von 23,8 Prozent verabschiedet hatte, liegt der DAX am Montagvormittag bei 6.000 Punkten. Der Nikkei-225 ging heute mit einem Plus in das neue Handelsjahr.
Von Euphorie keine Spur
Nach Ansicht von Thomas Nagel von Equinet fehlt nach wie vor die Euphorie am Markt. Die institutionellen Anleger hielten sich weiter zurück, Privatanleger gebe es ohnehin quasi keine mehr: „Bevor diese wieder einsteigen, muss der DAX schon fünfstellig werden“, scherzt Nagel und verweist auf die extrem schlechten Erfahrungen der Privaten in den vergangenen zehn Jahren. Insgesamt befürchtet er daher, dass das Lavieren noch eine Weile weitergehen könnte. Immer, wenn der DAX neue Jahreshöchststände erreiche, werde er aufgrund angeblich schlechter Nachrichten wieder nach unten geprügelt. „Allerdings kann sich das bei einem unerwarteten namhaften Ereignis auch schnell ändern“, ergänzt Nagel.
SchererMarkante Widerstandszone
Aus technischer Sicht ist nicht mehr viel Luft nach oben da, das findet zumindest Jörg Scherer von HSBC Trinkaus & Burkhardt: Zwar habe das neue Jahreshoch die laufende Rallye nochmals untermauert, der starke Schlussspurt habe das Aktienbarometer aber exakt bis an eine markante Widerstandszone herangeführt. „Diese findet ihren Auftakt im Tief vom Juli 2008 bei 5.999 Punkten und erstreckt sich über diverse Hoch- und Tiefpunkte bis knapp 6.200 Punkte“, erläutert Scherer. Spätestens im Dunstkreis der letztgenannten Marke dürften die „heißgelaufenen” Oszillatoren für eine ruhigere Gangart – sprich eine Verschnaufpause – beim DAX sorgen.
Terminarmer Jahresauftakt
Die Termindecke bleibt in der ersten Januarwoche noch dünn, wichtige Unternehmensveröffentlichungen stehen nicht an. Unter den Konjunkturdaten wird vor allem der wichtige ISM-Index für Industrie und Dienstleistungen aus den USA interessieren.
Wichtige Konjunkturtermine
Montag, 4. Januar
16.00 Uhr. USA: ISM-Index Verarbeitendes Gewerbe Dezember. Marktbeobachter rechnen mehrheitlich mit 54,0 Punkten nach 53,6 im November. Der vom Institute for Supply Management (ISM) erhobene Indikator zeigt die Geschäftserwartungen der Industrie auf einer Skala von eins bis 100. Werte über 50 deuten auf eine Ausweitung, Werte darunter auf eine Abschwächung der Konjunktur.
Dienstag, 5. Januar
09.55 Uhr. Deutschland: Arbeitslosenzahl/-quote Dezember. Im Dezember dürfte der Arbeitsmarkt nicht allzu stark durch klimatische Effekte beeinträchtigt worden sein, meint die Helaba. Sie geht von einem begrenzten Zuwachs der Arbeitslosenzahl um 5.000 aus.
11.00 Uhr. EU: Konsumentenpreise Dezember. Die HSBC prognostiziert ein Plus von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach 0,6 Prozent im Vormonat.
Mittwoch, 6. Januar
16.00 Uhr. USA: ISM-Index außerhalb des verarbeitenden Gewerbes Dezember. Hier liegen die Konsensschätzungen bei 50,5 Punkten nach 48,7 im Vormonat.
20.00 Uhr. USA: Protokoll der Zentralbanksitzung vom 15./16. Dezember. Im Protokoll der Fed-Sitzung dürfte die leichte Aufhellung am Arbeitsmarkt zu einer etwas optimistischeren Konjunkturbewertung von Seiten der Notenbanker geführt haben, meint die HSBC. Von besonderem Interesse werde aber sein, ob die Währungshüter den Zeitraum, für den die Fed Funds Rate auf ihrem historischen Tief verbleibt („for an extended period“), nähert erörtert haben. Die Analysten rechnen für 2010 noch nicht mit einer Verschärfung der Geldpolitik.
Donnerstag, 7. Januar
11.00 Uhr. EU: Industrievertrauen/Konsumentenvertrauen Dezember.
13.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheidung der Bank of England. Hier werden keine Veränderungen erwartet.
Freitag, 8. Januar
14.30 Uhr: USA: Arbeitsmarktbericht Dezember. Nach den positiven Novemberzahlen sind die Erwartungen für den Arbeitsmarktbericht Dezember laut Helaba ziemlich hoch gesteckt. Den Analysten zufolge lag der Anstieg der Beschäftigtenzahl bei 50.000, damit sei auch nach der vorsichtigen Definition die Wende am Arbeitsmarkt da. Die Arbeitslosenquote habe wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht und werde erneut bei 10 Prozent liegen.
Weitere Termine sowie die aktuellen Daten kurz nach ihrer Veröffentlichung finden Sie auf www.boerse-frankfurt.de/termine. Möchten Sie den Wochenausblick kostenlos per E-Mail erhalten, dann schreiben Sie einfach an redaktion@deutsche-boerse.com.
© 4. Januar 2010/Anna-Maria Borse
© Deutsche Börse AG
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